1. Es gibt kein Entwicklungsmerkmal, welches bei allen gleichaltrigen Kindern gleich ausgeprägt ist.
2. Die Vielfalt unter gleichaltrigen Kindern entsteht, weil Eigenschaften und Fähigkeiten von Kind zu Kind unterschiedlich ausgeprägt sind (z.B. die Körpergröße)
und unterschiedlich rasch ausreifen (z.B. die gesprochene Sprache)
3. Die einzelnen Eigenschaften und Fähigkeiten sind im Kind selbst unterschiedlich angelegt und reifen verschieden rasch aus (z.B. kann es sein, dass sich seine sprachlichen Fähigkeiten rascher
entwickeln als seine motorischen).
4. Mädchen als Gruppe sind von Geburt an immer etwas weiter entwickelt als Jungen. Dies ist auf eine unterschiedliche Zeitskala der biologischen Reifung bei
Mädchen und Jungen zurückzuführen.
5. Die soziale, kulturelle und religiöse Umwelt, in der das Kind aufwächst, trägt wesentlich zur Vielfalt unter den Kindern bei.
6. Die im Kind angelegte Vielfalt in ihrem ganzen Ausmaß wahrzunehmen und als biologische Realität zu akzeptieren ist eine grundlegende Voraussetzung dafür,
den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder in Familie und Schule gerecht zu werden.
1. Die Anlage schafft die Grundvoraussetzungen dafür, dass sich Fähigkeiten und Verhalten ausbilden können. Sie allein bringt aber weder Fähigkeiten noch verhalten hervor. Das gelingt nur
gemeinsam mit der Umwelt.
2. Die Umwelt trägt in zweierlei Hinsicht zur Entwicklung eines Kindes bei: Sie befriedigt seine körperlichen und psychischen Bedürfnisse. Und sie ermöglicht dem Kind jene Erfahrungen, die es
braucht, um sich Fähigkeiten und Wissen anzueignen. Wenn ihm die Umwelt die notwendigen Erfahrungen vorenthält, kann es sich nicht
seiner Anlage entsprechend entwickeln.
3. Das Kind entwickelt sich aus sich heraus:
• Es ist aktiv: Seine Interessen und Neigungen richten sich nach seinem Entwicklungsstand.
• Das Kind ist selektiv: Es sucht bestimmte Erfahrungen. Es orientiert sich an seinen Interessen und Neigungen.
• Es beeinflusst mit seiner Persönlichkeit und seinem Verhalten seine soziale Umgebung, was sich wiederum darauf auswirkt, wie die Umgebung mit ihm umgeht.
4. Die individuellen Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften setzen sich im Verlauf der Entwicklung immer mehr durch. Die Umwelt bestimmt das Angebot an Erfahrungen, die das Kind machen
kann. Das Kind bestimmt, was es davon
aufnehmen will.
5. Das Kind kann immer nur so viel von der Umwelt aufnehmen, wie ihm von seinem Entwicklungsstand vorgegeben ist. Ein Angebot, welches über seine Bedürfnisse hinausgeht, bleibt ungenutzt oder
behindert gar seine Entwicklung.
Wie Kinder lernen und warum die Orientierung an Defiziten falsch ist!
1. Formen des Lernens:
2. Das Kind entwickelt sich aus sich selbst heraus, wenn sein körperliches und psychisches Wohlbefinden gewährleistet ist und es die notwendigen entwicklungsspezifischen Erfahrungen machen kann.
3. Die Spannung zwischen dem aktuellen Entwicklungsstand eines Kindes und dem Bedürfnis nach neuen Erfahrungen nehmen wir als Neugierde wahr.
4. Echtes Lernen setzt voraus, dass Erfahrungen mit bestehendem Wissen und bereits vorhandenen Fähigkeiten vernetzt werden können.
Wie eine gute Lernmotivation entsteht!
1. Damit das Kind lernen kann, muss es eine vertrauensvolle Beziehung zum Lehrer oder zur Lehrerin haben. Sich geborgen und angenommen fühlen ist eine Grundvoraussetzung für das Lernen.
2. Die Anforderungen sollten dem Entwicklungsstand angepasst sein. Kinder spüren sehr genau, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.
3. Das Kind hat in jedem Alter eine angeborene Neugier. Es will von sich aus lernen und Fortschritte machen.
4. Selbstbestimmtes Lernen heißt, dass das Kind aktiv und selektiv Lernerfahrungen machen kann. Nur so kann es das frisch Gelernte mit seinem bestehenden Wissen vernetzen.
5. Lernstrategien werden nur durch selbstbestimmtes Lernen erworben.
6. Erfolgreiches Lernen führt zu einem guten Selbstwertgefühl und zu der Motivation, die Herausforderungen mit Selbstvertrauen anzugehen.
Vielfältige Bindungs- und BeziehungsErfahrungen sammeln!
1. Der Mensch hat wie alle Säugetiere ein ausgeprägtes Bindungsverhalten. Das Kind bindet sich an diejenigen Personen, die es ernähren, pflegen, schützen und von denen es lernen kann.
2. Das Kind bindet sich nicht nur an die Eltern, sondern auch an andere Bezugspersonen. Eine Lehrerin ist für das Kind eine Bezugsperson.
3. Das Kind muss sich bei der Lehrerin geborgen und angenommen fühlen, damit es lernen kann.
4. Die Beziehung zwischen Kind und Lehrer wird vertrauensvoller und belastungsfähiger, wenn der Lehrer das Kind nicht nur unterrichtet, sondern auch auf seine emotionalen Bedürfnisse und Interessen eingeht.
5. Fühlt sich das Kind durch die Lehrer nicht akzeptiert oder gar abgelehnt, kann es den Gehorsam und auch das Lernen verweigern.
6. In der Pubertät vermindert sich die emotionale Abhängigkeit des Kindes von Eltern und anderen Bezugspersonen. Eltern und Lehrer erleben dies als einen Kontroll- und Liebesverlust. Die Beziehung zwischen Erwachsenem und Jugendlichem muss auf der Basis von gegenseitigem Respekt neu gestaltet werden.
7. Es ist das Wesen des Jugendlichen, auf seine Rechte als angehender Erwachsener zu pochen. Es ist die erzieherische Aufgabe der Eltern und Lehrer, bei dem Jugendlichen auch die Pflichten einzufordern.
Was Kinder kompetent macht!
1. Verbale Fähigkeiten: Sprache und Verstehen
2. Motorische Fähigkeiten: „Be- Greifen“, „Ver-Stehen“
3. Kognitive Fähigkeiten: Wahrnehmen und Denken
4. Kreative Fähigkeiten: Fantasie und Sinngebung
aus: Remo H. Largo, Martin Beglinger: Schülerjahre – Wie Kinder besser lernen , piper201o